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Ausschnit des Titelbildes der Ausgabe rheinform 01/2024, zeigt einen Ausschnitt des Titelblattes.

Doppeltes Jubiläum in Bergisch Gladbach: 40 Jahre Stiftung Zanders und 25 jahre Kunstmuseum Villa Zanders

Teil 1: „Zanders ist mir so lieb, daß ich einen Teil meines Lebens für dieses Familienunternehmen hergegeben habe!“(1)

Bildbeschreibung: Die historische Fotografie zeigt zwei in schwarzen Kleidern gekleidete Damen mit großen Hüten und ein weiß gekleidetes Mädchen mit Hut am Strand. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen. Das Foto ist um 1900 entstanden und daher schwarz-weiß.
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Bild 1: Eine Reise ans Meer um 1900 (© Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung)

Magdalene Christ

Am 18. April 1977 gegründet, feiert die Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung in 2017 ihr 40-jähriges Jubiläum.(2) Aus diesem Anlass wird unter dem Titel „Lobpreis der Weiblichkeit. Frauen von und bei Zanders“ eine Ausstellung mit Lebensbildern aus drei Jahrhunderten, ausschließlich aus den eigenen Beständen des Familien- und Firmenarchivs Zanders recherchiert, zu sehen sein (Bild 1). Exponate über folgende Frauen werden gezeigt:

  • Julie Zanders, geb. Müller (1804–1869)
  • Maria Zanders, geb. Johanny (1839–1904)
  • Anna Zanders, geb. von Siemens (1858–1939)
  • Alexe Altenkirch (1871–1943)
  • Olga Zanders, geb. Peltzer (1872–1945)
  • Margarethe Zanders (1894–1983)
  • Renate Zanders, geb. von Hake (1913–2011)
  • Ungenannte Arbeiterinnen „beim Zander“ (19./20. Jh.)

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Jede der Frauen musste in unterschiedlichen Lebensumständen Großes leisten! So stand bereits die Gründerin, Julie Müller, die mit 20 Jahren Johann Wilhelm Zanders heiratete und im selben Jahr Mutter wurde, schon sieben Jahre später als Witwe mit vier minderjährigen Kindern nun im Alter von 27 Jahren vor der Frage, ob sie als Frau die Papierfabrik Schnabelsmühle weiterführen oder verkaufen sollte. Der verwitweten Frau mit kleinen Kindern wurde vom gesamten Umfeld der Verkauf dringend angeraten, so wie auch später ihren verwitweten Nachfolgerinnen in der Unternehmensführung. Sie entschied sich trotz großer Schwierigkeiten gegen einen Verkauf und erhielt so ihrem Sohn Carl Richard das väterliche Erbe.

Dessen Ehefrau, Maria Johanny, stammte aus dem Oberbergischen und heiratete mit 18 Jahren ihre große Liebe. Sie ereilte ein ähnliches Schicksal. Nach vier Geburten steht sie mit 31 Jahren als Witwe vor der Frage: Verkauf oder Erhalt des Erbes für die Söhne Richard und Hans (zehn und neun Jahre alt). Auch sie beweist unternehmerischen Mut und behält die Firma. Sie erweiterte sogar den Firmenkomplex Schnabelsmühle und Gohrsmühle mit dem Kauf der Dombach. In den Gründerjahren nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg baut sie 1873 selbstbewusst im Stadtzentrum neben der Bergisch Gladbacher Kirche ihre Villa. Sie wird zum kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Als klassische Patriarchin des 19. Jahrhunderts liegt ihr auch das Wohl ihrer Belegschaft sehr am Herzen. Eine Nähschule und Suppenküche wird in der Fabrik eingerichtet, eine Kranken- und Sozialversicherung eingeführt. Nachdem die Söhne ausgebildet sind und jeweils den kaufmännischen bzw. den technischen Part des Unternehmens übernommen haben, widmet sie sich kulturellen Dingen: Aus der Arbeiter- und Angestelltenbelegschaft wird der Cäcilienchor gegründet sowie 1894 der Altenberger Dom-Verein, der den Kirchenbau des ehemaligen Zisterzienser-Kleinods im Dhünnthal vor dem Verfall rettet.

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Die dritte Generation der „Zanders-Frauen“ beginnt mit Anna von Siemens, die den zwei Jahre jüngeren Richard Zanders heiratet. Anna ist vermögend und schafft sich gemeinsam mit Richard ein standesgemäßes, repräsentatives Heim „Haus Lerbach“ mit der Neugestaltung des sogenannten Lerbacher Schlosses. Die Ehe bleibt kinderlos. Anna und Richard engagieren sich sehr in der um 1900 aufkommenden Gartenstadt-Idee. Sie kaufen Grundstücke in der Nähe der Firma Zanders und stellen es für eine neue Form des sozialen Wohnungsbaus zur Verfügung. Die Gronauer Waldsiedlung stellt Arbeitern auf Erbpacht ein Eigenheim zur Verfügung, das neben großen, luftigen Zimmern auch einen kleinen Garten am Haus bereithält, wo Gemüse zum Selbstverbrauch angebaut werden kann, und/oder eine Ziege Platz findet. Als Richard im Alter von 56 Jahren tödlich verunglückt (Selbstmord?), richtet sie zu seinem Gedenken eine Lesehalle (Bibliothek) für die Bevölkerung der Stadt ein. Mit ihrem Schwager Hans schenkt sie der Stadt das erste Hallenbad (mit Schwimmgelegenheit und Badewannen), das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Zanders sogar kostenlos benutzen dürfen.

Ihre Schwägerin Olga Peltzer, geboren in Belgien, ist in ihrer Ehe mit Hans Zanders mit sechs Kindern gesegnet. Nach drei Mädchen kommt 1899 endlich der ersehnte Stammhalter Johann Wilhelm zur Welt. Das hübsche Haus stadtauswärts an der Odenthaler Straße wird zu klein und daher erweitert. Nach dem Tod ihrer Schwiegermutter Maria im Jahre 1904 bezieht sie mit ihrer großen Familie die Villa Zanders in der Stadtmitte. Als 12 Jahre später ihr Mann Hans 1916 stirbt, ist Johann Wilhelm mit 17 Jahren noch nicht in der Lage, die Firmengeschäfte zu übernehmen. Außerdem herrscht Krieg und ein Jahr später eilt der nun 18-Jährige zu den Fahnen. Wieder einmal obliegt es einer Frau, die Firma für die Kinder bis nach deren abgeschlossener Ausbildung weiterzuführen. Erst 1929, beim 100-jährigen Jubiläum der Papierfabrik Zanders, kann sie die Firmenleitung in die Hände ihres inzwischen promovierten Sohnes abgeben.

Mit Alexe Altenkirch, einer guten Freundin von Olga und seit 1923 Professorin für Zeichnen an der Kölner Werkschule, hat diese nicht nur eine Unterstützung in geschäftlichen Angelegenheiten. Alexe erhält zahlreiche Preise und Auszeichnungen für die Gestaltung der Werbung und Papierkollektionen der Firma Zanders (1910 Großer Preis von Brüssel, 1911 Silbermedaille in Turin, 1928 Pressa-Schau in Köln). Nach und nach wird die unverheiratete Künstlerin für Olga auch eine geistig-seelische Gefährtin. Gemeinsame Reisen und Anteilnahme am gesellschaftlichen Leben, z. B. im Kölner Frauen-Klub oder bei der Gemeinschaft der deutschen und österreichischen Künstlerinnen und Kunstfreundinnen (GEDOK), genießen die beiden Frauen nach dem Tode von Hans im Jahr 1916 noch fast 30 Jahre.

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Bildbeschreibung: Die Farbfotografie der 1950er Jahre zeigt eine sechs Menschen, die um einen Wohnzimmertisch auf einem Sofa und einem Sessel sitzen. In der linken Ecke befindet sich ein Sessel, auf dem eine in rot gekleidete Dame sitzt, neben ihr befindet sich ein schwarz gekleideter Herr mittleren Alters. In der Raumecke steht eine Stehlampe mit großem Lampenschirm. Das Sofa schließt an die Ecke an, auf dem Möbelstück sitzen vier sehr schick gekleidete Frauen und blicken in die Kamera. Vor ihnen befindet sich ein runder Wohnzimmertisch aus Holz, hinter ihnen hängt ein Gemälde. Die Fotografie ist leicht vergilbt und verblasst, da sie aus den 1950er Jahren stammt.
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Bild 2: Die weibliche Seite der Zanders Dynastie bildet den charmanten Rahmen für den Firmen-Inhaber Dr. Johann Wilhelm Zanders: rechts von ihm seine Gattin Renate, auf dem Sofa seine vier Schwestern Ingeborg, Eleonore, Hildegard und Margarete (v.l.n.r.). (© Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung)

In der vierten Generation der Zanders Frauen betritt nun keine Zanders-Ehefrau die Bühne, sondern eine Zanders-Tochter: Adelheid Charlotte Margarethe. 1894 geboren als erstes Kind von Hans und Olga, wird sie unverheiratet und kinderlos alle ihre fünf Geschwister überleben. Sie erlebt zwei Weltkriege, ein Kaiserreich, eine Republik, ein „1.000-jähriges Reich“ und den Wiederaufbau in den 1950er und 1960er Jahren. Als älteste Schwester von zwei Brüdern, denen es bestimmt ist, die Firmengeschicke zu leiten, sucht sie ihren Weg nicht in der Ehe, sondern in sozialer Fürsorge und macht ihr Krankenschwester-Examen. Sie abonniert 1931 den „Wendepunkt“ (hg. von Dr. med. Bircher-Benner), setzt auf das sogenannte „Birchermüsli“, liest die „Biologische Heilkunst“, die schon 1929 von der „Krise der klassischen Medicin“ berichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet sie in Bergisch Gladbach das „Haus der Gesundheit“ mit der ersten Privatsauna in Deutschland. Auch an Kunst und Geschichte ist sie sehr interessiert. Später wird sie zur Chronistin der Firma und Familie (Bild 2).

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Bildbeschreibung: Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt zwei Frauen, die vor großen Maschinen sitzen. An dieser Maschine wird das fertige Papier geglättet, eine Frau führt einen Bogen Papier ein. Sie udn ihre Kollegin im HIntergrund sind von hinten zu erkennen, sie sitzen auf hölzernen Stühlen. Beide tragen weiße Arbeitskleider und kurze dunkle Haare. Das Bild stammt ca. aus den 1940er Jahren.
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Bild 3: Das fertige Papier wird am Kalander geglättet: Eine unbekannte Arbeiterin führt jeden Bogen von Hand ein. (© Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung)

Mit Renate von Hake kommt eine Adelige, gebürtig aus Weimar, durch Heirat nach Bergisch Gladbach. 1936 geht die 23-Jährige die Ehe mit dem gut aussehenden jüngeren Bruder von Margarethe, Karl Richard, ein. Zwei Söhne, Hans Wolfgang und Axel, sichern die Familiendynastie Zanders. Doch wie in vielen Familien fordert der Krieg seinen Tribut: Der junge Ehemann fällt 1942. Renate heiratet ein Jahr später seinen unverheirateten älteren Bruder, Dr. Johann Wilhelm Zanders, bekommt noch einen Sohn und lebt auf dem Familien-Anwesen „Igeler Hof“ ein kulturell reiches, gesellschaftliches Leben bei dem sie ihrem Ehemann als sogenannte charmante, bessere Hälfte den Rücken für die Firmenleitung frei hält.

Während das Leben der Frauen aus höherer Gesellschaftsschicht eher gut in den Archiven dokumentiert ist, wird es bedeutend schwieriger, ein Lebensbild der Arbeiterinnen zu zeichnen. Von jeher war in der Papierproduktion die Arbeit von Männern und Frauen strikt getrennt. Den Frauen oblag die Vorbereitung der Rohstoffe, so z. B. das Sortieren und Zerreißen von Lumpen für den Papierbrei. Den dann folgenden Arbeitsschritt des Papierschöpfens, die „weiße Kunst“, übernahmen die Männer. Das Trocknen der einzelnen geschöpften Papierbögen und das anschließende Sortieren von Hand war dann wieder „Frauenarbeit“ (Bild 3).

Am Lebensbild dieser Frauen über den Zeitraum von 1804−2011 wird deutlich, dass die historischen Archivunterlagen nicht nur jeweils Zeugnis geben über ein persönliches (Frauen-)Schicksal, sondern auch anschaulich die jeweiligen Themen der jeweiligen Epoche dokumentieren. Zu der Ausstellung erscheint ein Begleitkatalog mit Beiträgen von P. Bohlig, M. Christ, G. Lindlar, R. Wirtz sowie zahlreichen Abbildungen. Die Ausstellung wird vom 19.03.–18.04.2017 im Kulturhaus Zanders zu sehen sein.

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Anmerkungen
(1) Brief von Alexe Altenkirch an Dr. Johann Wilhelm Zanders am 10.09.1931.
(2) Über die Entstehungsgeschichte der Stiftung Zanders und ihre verschiedenen Bestände, Sammlungsschwerpunkte und Veröffentlichungen siehe: Magdalene Christ, „Papier − eine so herrliche Sach‘.“− 35 Jahre Stiftung Zanders, in: rheinform. Informationen für die rheinischen Museen, Nr. 3, 01/2013, S. 35−38.

Teil 2: 25 Jahre Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach

Bildbeschreibung: Die Farbfotografie zeigt das Kunstmuseum Villa Zanders in einer Außenansicht. Die Villa bestizt zwei Gäudeflügeln und einen Mittelrisaliten mit Eingangstür. Vor dem Museum hängt der weiße überdimensionale Schriftzug "Galerie Zanders" in der Luft, dieser wurde über die Straße vom Dach des Museums aus gespannt. Der Fotograf des Bildes scheint auf der anderen Straßenseite auf einem Dach zu stehen. Im Hiintergrund ist Bergisch Gladbach zu sehen.
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Bild 4: Eröffnung Städtische Galerie Villa Zanders 1992 (© Kunstmuseum Villa Zanders; Fotograf: Klaus Altmann)

Dr. Petra Oelschlägel

Mitte der 1980er Jahre, in Zeiten der Museumsneugründungen, Neuen Wilden und sich ins Ungeahnte entwickelnden Preisen für Zeitgenössische Kunst, entschied man sich in Bergisch Gladbach, unweit von Köln, Leverkusen, Bonn und Düsseldorf, ein weiteres Museum zu gründen: In die drei Etagen der maroden Villa Zanders, die 1873−75 von Hermann Otto Pflaume, jenem im 19. Jahrhundert in Kölner Unternehmer- und Bankierskreisen angesagten Architekten, gebaut wurde, sollte ein Museum einziehen, für dessen Gründung es wenig Kunst, aber große Ambitionen gab (Bild 4).

Die seinerzeit beteiligten Fraktionsmehrheiten und Entscheidungsträger wollten für ihre Kreisstadt, die nach der kommunalen Neugliederung und Fusion mit der Schlossstadt Bensberg zur Großstadt gewachsen war, ein Zeichen setzen und an die kulturellen Ambitionen der Papierfabrikantin und Erbauerin Maria Zanders anknüpfen. Das sanierungsbedürftige Gebäude wurde über viele Jahre instandgesetzt, bauliche Barrierefreiheit für alle Etagen erreicht, und mit stetiger Unterstützung der neu gegründeten Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln konnte eine Sammlung begründet werden, die die Tradition der Stadt und der Familie aufgriff: Kunst aus Papier, d. h. Reliefs, Objekte, Skulpturen, die geprägt, gerissen, gefaltet, collagiert usw. sind. Eine schier endlose Fülle von Bearbeitungen, die zarte, sinnlich filigrane oder konstruktiv klare Werke entstehen lässt.

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Bildbeschreibung: Die Farbfotografie zeigt einen Einblick in die Ausstellungsräume der Villa Zanders. In einem großen Raum mit weißer Wand vor Kopf und zu beiden Seiten jeweils mit Flügeltüren flankiert befindet sich ein großes Kunstwerk auf dem Boden. Dieses ist kreisförmig auf dem Boden angeordnet und nur knapp Über-Bodenhoch. Zu sehen sind Telefonbuchseiten, die in Streifen gerissen sind und wieder zusammengetackert wurden. So ergeben sie einen großen Kreis. Der Raum hat eine schöne, durch Stuck strukturierte Decke mit einem achteckigen Mittelelement.
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Bild 5: Jagoda Krajewska, Bodenarbeit, 2009, Telefonbuchseiten, in Streifen gerissen und getackert. (© Kunstmuseum Villa Zanders; Fotograf: Michael Wittassek)

Im Januar 1992 konnte das lange erwartete Museum unter der Leitung von Dr. Wolfgang Vomm, der bereits seit Ende der 1970er Jahre als Referent für Kunst und Kultur in der Stadt arbeitete, feierlich eröffnet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bereits weit über 200 Werke zur internationalen Kunst aus Papier erworben – ein beneidenswerter Auftrag, von dem heutige Direktorinnen und Direktoren nur träumen können (Bild 5). Seit diesen Tagen steht die Kultur- und Umweltstiftung als verlässlicher Partner an der Seite der Städtischen Galerie Villa Zanders, die 2013 in Kunstmuseum Villa Zanders umbenannt wurde. Doch seit 1992 ist viel geschehen, unruhige und sorgenvolle Jahre sollten folgen, zumal die Kommune recht bald in den Strudel der Haushaltskürzungen gelangte und die Kultur als freiwillige Aufgabe als erstes auf den sogenannten Prüfstand kam.

Bereits zur Auftaktveranstaltung im Januar 1992 waren in allen drei Etagen Kunstwerke aus Papier zu bestaunen – und alles aus neu erworbenem Besitz der Stadt. In den historischen Räumen des Erdgeschosses wurde eine kommunale Galerie etabliert. Maria Zanders, selbst ambitionierte und talentierte Laienmalerin, die u. a. einen Zyklus alttestamentarischer Szenen des in Düsseldorf an der Akademie lehrenden Johann Wilhelm Schirmer kopiert hatte, gab thematisch die Richtung vor. Heute sind in den historischen Räumen des Erdgeschosses Gemälde der Düsseldorfer Schule zu sehen, u. a. Carl Friedrich Lessing, Caspar Scheuren, Johann Wilhelm Schirmer, aber auch Catharina Fischbach, Carl Ludwig Fahrbach und Johann Wilhelm Lindlar. Dank einer Dauerleihgabe aus der Paul Luchtenberg-Stiftung konnte der Bestand 2012 repräsentativ erweitert werden.

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Bildbeschreibung: Die Fotografie zeigt zwei Kunstwerke, die an der Wand hängen, im Kunstmuseum Villa Zanders. Zu sehen ist eine weiße Wand mit einem grauen Boden davor. An der Wand hängen zwei gleichgroße, rechteckige Papierarbeiten. Diese sind weiß und besitzen eine Reliefartige Oberflächenstruktur. Diese Struktur kommt nur vom Papier und einer speziellen Technik. Die Bilder sind nicht gerahmt und stehen daher an den Kanten leicht von der Wand ab. Eine Aufhängung ist nicht erkennbar.
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Bild 6: Monika Grzymala, #1 Eclipse (from the series making paper), 2010, Diptychon, jeweils 185 x 285 cm, Relief aus handgeschöpftem Washi-Papier. (© Kunstmuseum Villa Zanders und Monika Grzymala; Foto: Michael Wittassek)

Aufgrund der konservatorischen Besonderheiten von Papier kann die Bergisch Gladbacher Sammlung, zu der Werke internationaler Größen wie Christo, Kenneth Noland, Jacques de la Villeglée, Wolf Vostell oder Monika Grzymala gehören, nicht permanent ausgestellt werden (Bild 6). Bereits 1992 begann daher auch ein facettenreiches Wechselausstellungsprogramm, in dem Kunst aus Papier, Zeichnung und Druckgrafik sowie thematische Ausstellungen aber auch die regionale Kunst einen festen Platz haben.

Zur kurzen wechselvollen Geschichte des Museums gehören die für kommunale Museen in Nordrhein-Westfalen charakteristischen Nöte: Man kürzte das Budget mehrfach, es wurde in einen Eigenbetrieb überführt, später erneut kommunal eingegliedert und um 2006 war gar die komplette Schließung im Gespräch. Bundesweiter Protest sowie das beherzte Engagement des Fördervereins Galerie+Schloss e. V., der durch die Fusion der Freunde der Städtischen Galerie Villa Zanders und des Schloss Bensberg e. V. entstanden war, haben dazu beigetragen, das Museum in die Zukunft zu führen: Das bürgerschaftliche Engagement − bereits im Betreiben der bundesweit beachteten Artothek und bei der Organisation von Bildung und Vermittlung sowie Exkursionen bewährt − wurde auf einen ehrenamtlichen Aufsichtsdienst ausgeweitet, der bis heute die Betreuung der Gäste gewährleistet.

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Nach dem Ausscheiden des Gründungsdirektors im Jahr 2011 wurden bewährte Programme und Vermittlungsformate fortgesetzt sowie zahlreiche neue hinzugefügt. Durch Qualifizierung des Teams konnten z. B. Angebote für dementiell Erkrankte und ihre Angehörigen aufgenommen werden, die zwischenzeitlich auch auf das kreativ-praktische Arbeiten im Atelier ausgedehnt wurden. Überhaupt bildet das Museumsatelier − ein lichtdurchfluteter Raum mit Werkstattcharakter und einer flexiblen, zweckmäßig-praktischen Einrichtung − den Kern der museumspädagogischen Arbeit, der hilft, das Museum als selbstverständlichen und spannenden außerschulischen Lernort in der Region zu verankern. Mit einem kleinen Team von Künstlerinnen und Künstlern wird die schulische Museumspädagogik mit zahlreichen Partnerschaften wie „Bildungspartner NRW – Museum und Schule“ sowie dem Landesprogramm „Kulturstrolche“ für Grundschulkinder und „KulturScouts“ für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I durchgeführt. Zum Teil mit direkter Bezugnahme auf den Lehrplan der Schulen und immer in Auseinandersetzung mit Originalen aus der Wechselausstellung oder dem Depot werden praktische Workshops zu einzelnen künstlerischen Techniken oder Themen recherchiert. Mehrere weiterführende Schulen konnten in der Vergangenheit Projektausstellungen mit Schülerarbeiten in den Räumen des Museums durchführen, was für die beteiligten Schülerinnen und Schüler ein außergewöhnlicher Moment der öffentlichen Wertschätzung ihrer Kreativität darstellte.

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Bildbeschreibung: Die Farbfotografie zeigt die Villa Zanders in Außenansicht. Der Fotograf steht auf der Querstraße vor dem Eingang. Zu sehen ist eine Villa, die aus zwei Gebäudeteilen besteht, in der Mitte befindet sich der Eingang. Der mittlere Gebäudeteil ist leicht nach hinten versetzt. Vor dem Eingang sind zwei Fahnenmasten zu sehen, die jeweils mit blauen Flaggen beflaggt sind. Ein Weg führt zum Eingangsportal, der von Bäumen und Sträuchern gesäumt ist.
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Bild 7: Kunstmuseum Villa Zanders heute (© Kunstmuseum Villa Zanders; Fotografin: Martina Heuer)

Für das Jubiläumsjahr 2017 sind ganz besondere Ausstellungen und Veranstaltungen geplant: Nach einer Phase der Renovierung zu Jahresanfang wird Karin Sander, eine international geschätzte Künstlerin, die den Bergisch Gladbacher Stadtteil Bensberg in ihrer Vita stets als Geburtsort angibt, die Räume mit ihren zarten Haarzeichnungen in Besitz nehmen. Ab April bilden die farbintensiven Arbeiten auf Papier von Michael Toenges in ihrer überbordenden Üppigkeit und Gestik einen Kontrapunkt dazu. Die Sommermonate werden der Freundschaft gewidmet: Mit „Freunde treffen sich – Manfred Boecker, Rainer Gross und Wolfgang Niedecken“ knüpft die Ausstellung an die Anfänge im neu eröffneten Museum im Jahr 1992 an. Auch damals bildete die Malerei von Rainer Gross, der seit den 1970er Jahren in New York lebt, den Auftakt im Ausstellungskalender. In dieser Ausstellung spüren die drei Freunde ihren künstlerischen Anfängen an der Kölner Werkkunstschule nach und zeigen frühe gemeinsame Werke wie auch jeweils die eigene Malerei, bevor für Manfred Boecker und Wolfgang Niedecken die Musik in den Vordergrund drang. Witz und Ironie, aber auch viel Kritik an der Gesellschaft im Allgemeinen und am Kunstmarkt charakterisieren die Werke aus dieser Zeit – eine unterhaltsame, aber auch zum Nachdenken anregende Zeitreise in die 1970er und 1980er Jahre.

Mit Mary Bauermeister wird zum Jahresende eine Künstlerpersönlichkeit vorgestellt, die die Fluxusbewegung maßgeblich mitgeprägt hat. Mit ihrem „Offenen Atelier“ in Rösrath und der ungebremsten Aktivität, die sich in Objektbildern, Schrift und Zeichnung manifestiert, ist Mary Bauermeister bereits zu Lebzeiten zur Legende avanciert. Die Ausstellung knüpft an eine Präsentation der Künstlerin in der Villa Zanders im Jahr 1981 an, als in diesen Räumen – niemand dachte damals an ein eigenes Kunstmuseum – gelegentlich Ausstellungen stattfanden.

Zwischenzeitlich hat sich das Haus als einziges Kunstmuseum im Rheinisch-Bergischen Kreis zu einem wichtigen Bestandteil der rheinischen Kunstszene entwickelt (Bild 7). Der überwiegende Teil der Gäste kommt gezielt von außerhalb zu den Angeboten des Hauses. Viele schätzen die Atmosphäre des gründerzeitlichen Baus, seine Architektur und Überschaubarkeit. Künstlerinnen und Künstler schätzen diese Räume, die einzigartige Bedingungen mit einem wechselvollen Spiel von Intimität und Distanz schaffen. Gerade die Konfrontation von Gegenwartskunst und historischem Ambiente fordert einen spannungsvollen Dialog heraus, der sich im Begleit- und Vermittlungsprogramm in Musik, Vortrag und Diskussion fortsetzt.

MUSEUMS-INFO

Stiftung Zanders − Papier­geschichtliche Sammlung im Kulturhaus Zanders
Hauptstraße 267
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 31 974
Mail: stiftung-zanders@gmx.de
Web: www.stiftung-zanders.de

Kunstmuseum Villa Zanders
Konrad-Adenauer-Platz 8
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 142356
Mail: info@villa-zanders.de
Web: www.villa-zanders.de